Nouakchott

In der Früh bin ich nochmal runter zu den Krokodilen. Irgendwie hab ich hier ein echt ungutes Gefühl. Rechts und links von einem sind kleine Wasserlöcher und man sieht nicht wirklich was sich dort drin tummelt. Es gibt hier auch niemanden den man fragen könnte. Vielleicht ist die Sorge ja unbegründet, Aisha bleibt aber an der Leine. Es ist das erste Wasser seit einer Ewigkeit und sie darf nicht rein...
Wir sind im Canyon noch ein wenig weiter gelaufen, aber ich fühle mich nicht sonderlich wohl. Wir sind dann wieder umgedreht, es ist auch so sehr schön hier, auch wenn wir keine Krokodile gesehen haben. Enttäuscht bin ich nicht. Viel mehr macht mir das Wetter zu schaffen. Es ist der erste bewölkte Tag und man könnte meinen es fängt gleich an zu regnen. Besser wir verschwinden hier aus diesem Flussbett. Auf der Fahrt zurück zur Teerstraße ging es wieder durch jede Menge Fesch-Fesch. Und da wir ja keine Klimaanlage haben sind natürlich alle Fenster offen und der ganze Mist ist im Auto. Manchmal wenn der Wind ungünstig steht oder man sehr langsam fahren muss überholt einen der eigene Staub. Ne Skibrille wäre da manchmal ganz nützlich. Oder wir rüsten doch mal eine Klimaanlage nach. Heute ist es ein wenig trostlos, keine Sonne, viel Wind und jede Menge Staub und Sand in der Luft. Die Landschaft wechselt von wow bis öde. Seit Tidjikja sieht man viele Kühe auf oder besser gesagt tot neben der Straße. Zusammen mit Ziegen, Eseln, Kamelen und Hunden. Es müssen mehrere Hundert, die da in allen Verwesungsstadien, aufgebläht, mumufiziert oder schon teilweise vom Sand bedeckt am Straßenrand liegen. Die Viecher sind hier aber auch selten blöd, fast hätte auch ich um Haaresbreite ein Kamel, zwei drei Kühe und ein paar Ziegen umgenietet. Heute war ein langer Tag, auf dem Tacho standen über 500km. 50km vor Nouakchott ging es los mit Straßenbauarbeiten und einer üblen Wellblechpiste. Günther hatte mich per WhatsApp darüber schon mal vorab informiert. Auch hier wieder das selbe Spiel, entweder entsetzlich langsam durchschütteln lasse oder volle Attacke.
Ziel war Le Sultanes am Strand nördlich von Nouakchott. Das ist ein Restaurant das gerne von den reichen Mauris angesteuert wird und überteuertes Fastfood verkauft. Blöderweise musste ich jedoch vorher durch die Hauptstadt. Hier fährt jeder wie er will und ich mach einfach mit. Hier hat es auch wieder Ampeln. Die ersten seit 2000 Kilometern! Bei den ersten hab ich noch gehalten, die nächsten zwei Dutzend bis ich aus der Stadt war hab ich einfach ignoriert, wie alle anderen auch. Ihr hättet das Verkehrschaos mal sehen sollen. Irgendwann ging gar nix mehr weil die Kreuzung einfach zu war, und zwar so richtig. Als die ersten anfingen auf den Gehweg auszuweichen hab ich nicht lange gezögert und bin hinterher. Ich hab ja schon viel Chaos in Rabat, Casablanca und Marrakesch gesehen aber das hier toppt alles. Als ich endlich am Strand angekommen bin hab ich die Interkontinental-Rallye wieder getroffen. Die waren schon in Dakar und sind jetzt auf dem Rückweg. Mit riesigem Polizei- und Militärkonvoi geht es noch heute Nacht Richtung Norden zur Grenze. Die Orga hat sich noch an mich erinnert und mich mit T-Shirts, Aufkleber und Zeug eingedeckt. Auch die Fotos von der Etappe bei Toungad haben Ihnen gut gefallen. Ich soll Ihnen mal was zuschicken... Nach einer großen Portion Pasta und einem ausgiebigen Spaziergang am Strand hab ich mich ins Auto und Aisha sich in ihr Zelt verkrochen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Elke (Donnerstag, 08 Februar 2018 17:46)

    Schön, du schreibst immer sehr authentisch. Das gefällt mir sehr. Und ich bewundere Ulli, die das alles in Form und online stellen darf. ;-). Habe natürlich sofort bemerkt, dass es mehr Bilder sind ;-).

    Bei den Krokodilen hätte ich auch ein sehr ungutes Gefühl. Und auch ansonsten bewundere ich eure Geduld ab und an. Aber das gehört zu eurem Urlaub ja dazu.

    Liebe Grüße aus dem derzeit närrischen Offenburg

  • #2

    Madeleine und Ulli (Sonntag, 11 Februar 2018 21:53)

    Toll die Bilder und Du noch in typischer Landestracht! steht Dir gut !
    weiter noch eine schöne Zeit.
    Deine Berichtserstattung mit Hilfe von Ulli finde ich bewunderswert !