Der Zug

Die Bahnstrecke Nouadhibou - Zouérat ist die einzige Eisenbahnlinie Mauretaniens. Sie verbindet die Eisenerzbergwerke mit dem Hafen am Atlantik. Die gesamte Streckenlänge der Erzbahn beträgt 700km und verläuft von den Minen im Norden des Landes durch weitgehend unbesiedelte Gebiete der westlichen Sahara bis der Hochseehafen in Nouadhibou am Atlantik erreicht ist. Die Züge erreichen eine Länge von mehreren Kilometern und zählen somit zu den längsten und schwersten der Welt. Täglich werden rund 50.000 Tonnen Eisenerz bewegt! Es besteht die Möglichkeit kostenlos auf dem Zug mitzufahren und sogar ein Fahrzeug zu transportieren - auf Piste und Sand folgen wir dieser Strecke für rund 375km...

Der Einstieg

Da Diesel in der Westsahara billiger ist als in Mauretanien empfehle ich vor der Grenze nochmal alle Tanks vollmachen, das könnt ihr in Bir Gandouz am Hotel Barbas machen oder ihr tankt nochmal direkt an der Grenze, je nachdem wie groß eure Tanks sind. Für die Erzbahnstrecke solltet Treibstoff für mindestens 400 km Sand/Piste und 150km Asphalt dabeihaben.

10km nach der Grenze überqueren wir zum ersten Mal die Gleise. Direkt danach an der Kreuzung gibt's den ersten Checkpoint, (N21°17.153 W016°53.496) Militär und Polizei kontrollieren hier noch einmal die Pässe. Weiter nach links Richtung Nouakchott. In Bou Lanouar gibt es einen direkten Einstieg. Ich empfehle euch weitere 9km auf der Teerstraße zu bleiben und diese erst bei N21°13.712 W016°28.872 zu verlassen. Hier ist ein besserer Einstieg für die Erzbahn-Piste, hier kann man in Ruhe Luft ablassen und man muss nicht durch die Müllhalden des Dorfes fahren. Wir folgen den Spurenbündel nach NO. Piste und Sand wechseln sich ab, nach ein paar hundert Metern tauchen Sicheldünen auf, hier lässt sich auch gut Biwakieren. Immer den besten Möglichkeiten folgend sollte man nach rund 8km wieder auf die Gleise stoßen (N21°17.570 W016°26.870).

Die Strecke

Die Orientierung auf dieser Strecke sollte kein großes Problem sein, man folgt einfach immer mehr oder weniger den Bahngleisen. Selbst bei schlechten Sichtverhältnissen mit viel Wind und Sand in der Luft sollte man eigentlich gut zurecht kommen, die Strecke ist vielbefahren. Besonders von Dezember - März muss mit heftigem Harmattan und starken Passatwinden gerechnet werden. Die Gleise aber unbedingt mit ausreichendem Abstand befahren! Rund um die Bahnstrecke hat es jede Menge Metallteile und Eisenschrott der rum liegt. Es verlaufen mehrere Pisten entlang der Erzbahn, je weiter südlich ihr unterwegs seid desto einsamer wird es. Stellt euch darauf ein, dass auf der gesamten Strecke nicht wirklich viel los sein wird. Es verkehren lediglich die Erzzüge und in unregelmäßigen Abständen hat es sogenannte "Stationen". Einige sind bewohnt, haben Ausweichstellen für die Züge, es gibt auch Kontrollen durch Militär, andere sind verlassene Geisterdörfer. Alle 100km gibt es Camps mit Arbeitertrupps die die Strecke wieder freischaufeln. Man kann alle Dörfer umfahren wenn man das will, einfach weiträumig nach Süden ausweichen. Wir hatten auf der gesamten Strecke lediglich eine einzige Kontrolle bei km235 im Dorf/Station Tmeimichat, hier wollte man ein Fiche sehen. Biwakplätze gibt es auf der Strecke quasi überall, bleibt aber besser auf der Südseite der Gleise, die Grenze ist meistens nicht weit entfernt. Ein besonders schöner Schlafplatz liegt bei N21°15.330 W014°31.700 an einem kleinen windgeschützten Bergrücken, dem Guelb Tâkoûst inmitten der Sahara mit unvergleichlichem Blick auf den längsten Zug der Erde.

Ben Amira

Das absolute Highlight auf der Strecke ist der Ben Amira. Dieser riesige Granitklotz ist der drittgrößte Monolith der Welt und der größte auf dem Afrikanischen Kontinent. Bei km300 erreichen wir das Dorf Ben Amira welches direkt an der Bahnstrecke liegt. Hier überqueren wir die Gleise und verlassen das kleine Dorf in nördlicher Richtung. Man folgt den Spurenbündeln zum alles überragenden und schon weithin sichtbaren Ben Amira. Es gibt ringsum schöne Übernachtungsplätze. Ihr solltet euch unbedingt die Zeit nehmen wenigstens eine Nacht hier zu verbringen. Die Umgebung ist sensationell schön, es gibt hier noch viele weitere kleinere Monolithen in der Nähe. Besonders hervorzuheben ist hier der 8km NW gelegene Ben Aisha. Bei N21°17.644 W013°41.554 befinden sich neuzeitliche Skulpturen und Petroglyphen. Auf der Nordseite bietet sich die Möglichkeit Ben Aisha auf einer relativ leichten Route zu besteigen und zum höchsten Punkt zu Klettern. Eine Umrundung des Ben Aisha ist ebenfalls möglich, eine Weiterfahrt nach Norden sollte vermieden werden, die Grenze zur DARS ist keine 4km mehr entfernt!

Die letzten Meter

Am besten auf dem gleichen Weg zurück Richtung Dorf. Nach dem überqueren der Gleise weiter in östlicher Richtung. Es wird sandiger, es folgen einige Weichsandfelder und kleine mit Kamelgrasbüschel bewachsene Dünen. Kurz vor Choum, etwa bei N21°16.660 W013°06.490 könnt ihr Spurenbündeln folgen und die Piste nach SO verlassen. Manchmal auf Spuren, oft weglos erreichen wir nach 35 km endlich wieder die Teerstraße. Genauso gut könnt ihr aber auch weiter bis Choum fahren und dort auf den Asphalt. Von hier sind es noch einmal rund 100 km auf gutem Teer bis man in Atar ist. Es gibt zahlreiche Kontrollen bis man die Stadt erreicht hat, es werden diverse Fiches benötigt. Ein guter Anlaufpunkt ist der von Justus geführte Campingplatz im Westen der Stadt. Camping Bab Sahara findet ihr bei: N20°31.156 W013°03.703. Hier gibt es nicht nur die lang ersehnte Dusche und endlich wieder die Möglichkeit Klamotten zu waschen oder im kleinen Restaurant was zu essen. Hier treffen sich viele die in der Gegend unterwegs sind und es ergibt sich vielleicht eine Mitfahrgelegenheit oder ein Begleitfahrzeug in die ein oder andere einsame Gegend. Leider ist der Preis für das gebotene (Stand 02/20) einfach ein wenig zu hoch und das Essen im Restaurant haut einen auch nicht gerade vom Hocker.

Eine weitere gute Möglichkeit in Atar unterzukommen ist Camping Inimi die ebenfalls Stellplätze und Zimmer anbieten (N20°30.080 W013°03.610). Beim freundlichen und sehr sympatischen Besitzer können auch Touren und Geländewagen gebucht werden.

Die wichtigsten Infos

- Zeitbedarf Nouadibou - Atar mindestens 2 Tage, besser 3-4 Tage einplanen
 
- im ersten Drittel mit viel Glück noch vereinzelt Mobilfunknetz aus der West-Sahara, im letzten Drittel dann Mauretanisches Netz
 
- auf den gesamten 400km im Grunde keine Versorgungsmöglichkeiten
 
- zwischen Dez. und Feb. können starke Passatwinde (Harmattan) die Sicht und Orientierung erschweren
 
- Navigation ist aber relativ einfach, immer in der Nähe der Gleise bleiben
 
- evtl. ein zweites Ersatzrad mitnehmen (Reifenschäden durch Metallteile gegeben)
 
- man kann die Strecke gut auch nur mit einem Fahrzeug gut befahren, dann aber vielleicht ein Paar Bleche mitnehmen
 
- passende GPS-Tracks kann man sich bei Wikiloc runterladen. Gute Routingfähige OSM-Karten lade ich meistens hier runter
 
- als Reiseführer kann ich euch die sensationell guten und schon legendären 4x4 - Handbücher von Gandini empfehlen.
  Auch gut, recht aktuell und in Deutscher Sprache und ist das GPS-Offroad-Tourenbuch von Pistenkuh.